Der Badspiegel braucht zwei Löcher, und genau an der Stelle sitzen glänzende Wandfliesen. Die Sorge ist, dass der Bohrer abrutscht oder die Fliese mit einem Knacken springt. Beides hängt vor allem an drei Dingen: dem richtigen Bohrer, ausgeschaltetem Schlag und Geduld.
Werkzeugangaben laut Bosch-Ratgeber, abgerufen am 27.10.2026; Wand- und Dübeldaten aus der Datenbank, Rechtsangaben aus der Faktendatei, Stand 19.10.2026. Keine Eigenmessung, kein Test, keine Rechtsberatung.
Die Härte der Fliese bestimmt den Bohrer
Bosch ordnet Fliesen nach der Ritzhärte nach Mohs, einer Skala von 1 (sehr weich) bis 10 (sehr hart). Gewöhnliche Fliesen liegen laut Bosch bei 3 bis 4, Feinsteinzeug bei 8. Daraus ergibt sich die Bohrerwahl:
| Bohrer | Wofür laut Bosch | Kühlung |
|---|---|---|
| Glasbohrer | Fliesen bis Härtegrad 3 | mit Wasser |
| Fliesenbohrer | Fliesen weicher und mittlerer Härte | nicht notwendig |
| Diamantbohrer | Feinsteinzeug (Härte 8), Naturstein; „unabdingbar“ bei Feinsteinzeug | je nach Bohrer |
| Steinbohrer | erst, wenn schon ein Loch in der Fliese ist; nur bedingt für Fliesen bis Härte 3 | – |
Was die Tabellenwerte bedeuten
Steingut beschreibt Bosch als grobporig und weich, Steinzeug als robust und oft als Bodenbelag genutzt. Welche Fliese verlegt ist, wissen oft Vermieter oder Hausverwaltung. Ohne Fliesenbohrer geht es laut Bosch nur bei weichen Fliesen bis Härte 3, mit dem Glasbohrer oder bedingt mit dem Steinbohrer. Fliesenbohrer mit Herstellerdaten vergleicht die Seite Fliesenbohrer.
Schlag aus, höchstens 1.000 Umdrehungen, wenig Druck
Bosch nennt die Maschineneinstellung eindeutig: Hammer- oder Schlagfunktion „unbedingt“ ausschalten, die Drehzahl bei höchstens 1.000 Umdrehungen pro Minute halten, mit geringem Druck und immer im rechten Winkel bohren. Zu hoher Druck kann laut Bosch die ganze Fliese reißen lassen, Überhitzung führt zu Spannungen, durch die sie springt. Die Datenbank fasst dasselbe für fischer und TOX zusammen:
Fliese auf Mauerwerk
So erkennt man sie
- Glatte, glasierte Oberfläche, auf der der Bohrer leicht abrutscht (fischer)
- Den Untergrund hinter der Fliese per Probebohrung bestimmen, möglichst in einer Fuge (fischer)
- Aufbau aus Fliese, Fliesenkleber und ggf. Verbundabdichtung (fischer DuoSeal)
- Bohren
- ohne Schlag, nur drehend — Schlag zerstört die Stege bzw. weitet das Loch
- Bohrer
- Fliesen- oder Steinbohrer (TOX), für den DuoSeal Diamant- oder Fliesenbohrer (fischer); Kreppband auf die Bohrstelle, ohne Schlag, langsame Drehzahl, wenig Druck, rechtwinklig (fischer, TOX).
- Typisch
- Badezimmer, das laut fischer in der Regel gefliest ist; Küchen und Nassbereiche
- Dübel laut Hersteller geeignet
- fischer DuoSeal
Nichttragende Schichten wie Putz oder Wandverkleidungen dürfen laut TOX nicht als Verankerungsgrund dienen und sind bei der Dübellänge zu berücksichtigen; Würth: Putz und Dämmung zählen nicht als tragfähig. Fliese und Kleber gehören zu diesen Schichten (fischer DuoSeal rechnet mit dem Fliesengesamtaufbau). Nach der Fliese richtet sich das Bohrverfahren nach dem Mauerwerk dahinter (z. B. Lochziegel ohne Schlag). Die Gruppe „voll“ dient hier nur der Sortierung, maßgeblich ist der Untergrund hinter der Fliese. Für Nassbereiche gibt es abdichtende Dübel (fischer DuoSeal). Weitere Belege: TOX Dübelratgeber (https://www.tox.de/duebelratgeber), fischer DuoSeal (https://www.fischer.de/de-de/produkte/standardbefestigungen/kunststoffduebel/duoseal/duoseal-mit-schraube-a2-2-komponenten-abdichtender-duebel).
Quelle: fischer Stories: Befestigungen im Badezimmer, geprüft am 19.10.2026
Die Schritte laut Bosch:
- Abkleben. Durchsichtiges Klebeband oder Malerkrepp kreuzweise über die markierte Stelle; das verhindert Splittern und Abrutschen.
- Ankörnen. Den Körner schräg halten und wenige Male leicht mit dem Hammer anschlagen. Beim Diamantbohrer entfällt dieser Schritt.
- Bohren und kühlen. Mit Bohröl oder Wasser kühlen, wo der Bohrer es verlangt.
- Wechseln. Handelsübliche Fliesen sind laut Bosch meist 8 bis 11 mm dick; danach geht es mit dem Steinbohrer weiter.
Nach der Fliese richtet sich das Bohrverfahren nach der Wand dahinter, bei Hochlochziegel etwa weiter ohne Schlag. Welche Wand dahinter steckt und welcher Dübel hält, zeigt der Finder:
Wand erkennen: Bohrmehl, Widerstand, Klopfprobe
Womit gerechnet wird
- Last je Punkt = Gewicht ÷ Befestigungspunkte. Das ist eine Vereinfachung: Bei Hängeschränken und Regalen ziehen die oberen Dübel stärker als die unteren, bei Konsolen wirkt ein Hebel. Für solche Fälle das Datenblatt des Dübels und der Halterung lesen.
- Dübel und Lastwerte stammen aus den technischen Datenblättern der Hersteller (je Ergebnis verlinkt). Gezeigt wird ein Lastwert nur, wenn der Hersteller ihn für genau diesen Untergrund nennt; die Hersteller rechnen dabei bereits mit Sicherheitsbeiwerten. Stand: 19.10.2026.
- Schraube: Durchmesser laut Datenblatt. Länge laut Datenblatt, sonst mit der Faustformel dieser Seite: Schraubenlänge mindestens Dübellänge + Dicke des Anbauteils + einmal der Schraubendurchmesser, damit die Schraube durch den Dübel hindurchragt und ihn ganz spreizt. Gilt nur für Spreiz- und Universaldübel in Vollbaustoffen, wenn das Datenblatt keine Länge nennt. (Annahme, im Feld „Dicke des Anbauteils“ änderbar).
- Ohne Bohren: Lösungen aus der Ohne-Bohren-Datenbank, deren Herstellerlast mindestens die Last je Punkt erreicht und deren Hersteller die gewählte Oberfläche zulässt. Die Herstellerangaben gelten für saubere, glatte, tragfähige Flächen.
- Leitungen: Der Finder kennt die Wand nicht. Die Installationszonen nach DIN 18015-3 zeigen, wo Leitungen liegen sollen — in Altbauten ist das keine Gewähr. Strom, Gas, Statik, tragende Wände: Fachbetrieb.
Die Fuge ist die einfachere Stelle, aber nicht für alles
Statt in die Fliese kann man laut Bosch in die Fuge bohren: mit einem gewöhnlichen Stein- oder Betonbohrer, vorgekörnt, ohne Schlag und mit wenig Druck. Das geht nur für Löcher und Dübel, die schmaler sind als die Fuge; schwere Schränke lassen sich so laut Bosch nicht befestigen. Die Glasur bleibt heil, und beim Auszug ist eine Fuge leichter zu reparieren als eine Fliese.
Mieter: Zwei Amtsgerichte verlangen die Fuge, wo sie möglich ist
Laut AG Dortmund (26.08.2014, 425 C 2787/14) gehört es zum vertragsgemäßen Gebrauch, Fliesen besonders in Bad und Küche anzubohren, im verkehrsüblichen Maß. Das AG Krefeld (16.10.2025, 10 C 129/23) hält das Durchbohren von Wandfliesen nicht grundsätzlich für vertragswidrig, Bohrlöcher sollen aber nach Möglichkeit in die Fuge. Das AG Paderborn (08.04.2024, 51 C 135/23) verlangt die Hinnahme nur, wenn das Loch nicht in der Fuge hätte sitzen können. Was im eigenen Mietvertrag steht, sieht man dort nach.
Bohren in der Mietwohnung: Dübellöcher, Fliesen, Klauseln im Mietvertrag · geprüft am 19.10.2026
- Gebrauchsgewährung durch den Vermieter — Der Vermieter muss dem Mieter die Wohnung während der Mietzeit zum Gebrauch überlassen und sie in einem Zustand halten, der für den vertragsgemäßen Gebrauch geeignet ist (§ 535 Abs. 1 BGB). gesetze-im-internet.de
- vertragsgemäßer Gebrauch = keine Haftung — Veränderungen oder Verschlechterungen der Mietsache, die durch den vertragsgemäßen Gebrauch entstehen, hat der Mieter nicht zu vertreten (§ 538 BGB). Ob ein Dübelloch dazugehört, hängt deshalb davon ab, ob es noch zum vertragsgemäßen Gebrauch zählt. gesetze-im-internet.de
- BGH 20.01.1993 – VIII ZR 10/92 — Der Bundesgerichtshof hat mit Urteil vom 20.01.1993 (VIII ZR 10/92, veröffentlicht in NJW 1993, 1061) über Formularklauseln eines Mustermietvertrags entschieden, darunter eine Klausel zu Dübelbohrungen. gilt seit 20.01.1993 · dejure.org
- Fliesen anbohren im verkehrsüblichen Maß — Laut Amtsgericht Dortmund (Urteil vom 26.08.2014, 425 C 2787/14) gehört es unter Berufung auf den BGH (NJW 1993, 1061) zum vertragsgemäßen Gebrauch, Dübel zu setzen und Fliesen besonders in Bad und Küche anzubohren; die Grenze ist das verkehrsübliche Maß. Als übliche Ausstattung nennt das Gericht Spiegel, Konsole, Handtuchhalter und Seifenschale. gilt seit 26.08.2014 · nrwe.justiz.nrw.de
- Fuge, soweit möglich — Laut Amtsgericht Krefeld (Urteil vom 16.10.2025, 10 C 129/23) ist das Durchbohren von Wandfliesen nicht grundsätzlich vertragswidrig. Bohrlöcher sollen nach Möglichkeit in die Fuge, aber nur, soweit Raum und Nutzung das zulassen; Armaturen im Bad und Hängeschränke in der Küche lassen sich nicht immer an der Fuge ausrichten. gilt seit 16.10.2025 · nrwe.justiz.nrw.de
- Fliese statt Fuge = vertragswidrig (Einzelfall) — Laut Amtsgericht Paderborn (Urteil vom 08.04.2024, 51 C 135/23) muss der Vermieter durchbohrte Wandfliesen nur hinnehmen, wenn das Bohrloch nicht in der Fuge hätte sitzen können. Im entschiedenen Fall untersagte außerdem eine individuell ausgehandelte Vereinbarung im Mietvertrag das Anbohren der Fliesen in Küche und Bad; der Mieter musste je Fliese den vereinbarten Pauschalbetrag von 25 € zahlen. gilt seit 08.04.2024 · nrwe.justiz.nrw.de
- Arbeitsplatte befestigen = gewöhnlicher Gebrauch — Laut Amtsgericht Rheinbach (Urteil vom 07.04.2005, 3 C 199/04) gehört das Befestigen einer Küchenarbeitsplatte zum gewöhnlichen Mietgebrauch nach § 538 BGB; im Fall saßen die Befestigungslöcher in den Fugen. gilt seit 07.04.2005 · nrwe.justiz.nrw.de
- 126 Dübellöcher = ungewöhnlich viel — Laut Landgericht Wuppertal (Urteil vom 16.07.2020, 9 S 18/20) gehört es zum vertragsgemäßen Gebrauch einer Wohnung, Befestigungen mit Dübeln vorzunehmen; rund 126 Dübellöcher bezeichnete das Gericht als ungewöhnlich viel. gilt seit 16.07.2020 · nrwe.justiz.nrw.de
- AGB-Inhaltskontrolle § 307 BGB — Klauseln in vorformulierten Mietverträgen (Allgemeine Geschäftsbedingungen) sind unwirksam, wenn sie den Mieter entgegen Treu und Glauben unangemessen benachteiligen (§ 307 BGB). Für individuell ausgehandelte Vereinbarungen gilt diese Inhaltskontrolle nicht; deshalb kommt es darauf an, wie eine Bohr-Regel im Mietvertrag zustande gekommen ist. gesetze-im-internet.de
Die Fallstricke
- Schlag an. Laut Bosch kann die Schlagfunktion die Fliese platzen lassen.
- Steinbohrer auf der Glasur. Laut Bosch erst, wenn die Fliese durchbohrt ist.
- Feinsteinzeug unterschätzt. Bei Härte 8 nennt Bosch den Diamantbohrer als unabdingbar.
- Leitungen hinter Armaturen. Hinter Waschbecken, Spiegelschrank und Steckdosen können Strom- und Wasserleitungen liegen, siehe Leitungen in der Wand finden.
- Asbest im Fliesenkleber. Laut Umweltbundesamt kann Fliesenkleber Asbest enthalten, mit bloßem Auge nicht erkennbar; die BAuA rechnet damit in Gebäuden mit Baubeginn vor dem 31.10.1993. Vorher Asbest im Altbau lesen.
Was praktisch hilft
- Erst ohne Bohren prüfen. Für Ablagen und Handtuchhaken auf Fliesen gibt es Klebe- und Saugsysteme, siehe Duschablage ohne Bohren.
- Fuge anpeilen. Den Gegenstand so verschieben, dass die Löcher in die Fuge fallen.
- An einer Restfliese üben. Wer noch Fliesen vom Einzug hat, probiert den Bohrer dort.
- Dübel lang genug wählen. Fliese und Kleber zählen nicht zur Verankerung, siehe Dübel für Fliesen.
Was ich noch nicht weiß
- Großformatige Fliesen. Zu besonderen Risiken bei großen, dünnen Platten habe ich keine Herstellerangabe ausgewertet.
- Drehzahl je Bohrer. Bosch nennt allgemein höchstens 1.000 Umdrehungen; Werte je Bohrerdurchmesser stehen in den Produktangaben, die hier nicht ausgewertet sind.
- Löcher über 10 mm. Für Aussparungen mit Lochsäge oder Lochzange gibt es eine eigene Seite, Lochzange für Fliesen.
Häufige Fragen
Welchen Bohrer braucht man für Fliesen?
Das hängt laut Bosch von der Härte der Fliese ab. Gewöhnliche Fliesen liegen bei 3 bis 4 auf der Mohs-Skala; für Fliesen weicher und mittlerer Härte nennt Bosch den Fliesenbohrer, der keine Kühlung braucht. Für Feinsteinzeug mit Härte 8 und für Naturstein ist laut Bosch ein Diamantbohrer unabdingbar. Glasbohrer schaffen laut Bosch Fliesen bis Härtegrad 3 und müssen mit Wasser gekühlt werden. Den Steinbohrer setzt man erst ein, wenn die Fliese durchbohrt ist, für die Wand dahinter. Welcher Bohrer für die Wand passt, zeigt der Dübel-Finder.
Kann man Fliesen ohne Fliesenbohrer bohren?
Nur eingeschränkt. Laut Bosch eignet sich ein Steinbohrer nur bedingt für Fliesen bis Härte 3, also für weiche Fliesen, und eigentlich erst, wenn schon ein Loch in der Fliese ist. Ein Glasbohrer durchdringt laut Bosch Fliesen bis Härtegrad 3 und braucht Wasserkühlung. Für Feinsteinzeug ist der Diamantbohrer unabdingbar. Ohne passenden Bohrer bleibt die Fuge: Dort bohrt man laut Bosch mit dem gewöhnlichen Stein- oder Betonbohrer, ohne Schlag und mit wenig Druck, allerdings nur für Dübel, die schmaler sind als die Fuge.
Wie bohrt man in Fliesen, ohne dass sie springen?
Bosch nennt vier Punkte. Erstens die Schlag- oder Hammerfunktion unbedingt ausschalten. Zweitens die Drehzahl bei höchstens 1.000 Umdrehungen pro Minute halten und mit geringem Druck bohren, weil zu viel Druck die Fliese reißen lassen kann. Drittens Klebeband oder Malerkrepp kreuzweise auf die Stelle kleben, damit nichts splittert oder abrutscht. Viertens kühlen, denn Überhitzung erzeugt Spannungen, durch die die Fliese springen kann. Dazu immer rechtwinklig ansetzen. fischer und TOX beschreiben dasselbe Vorgehen. Wer in die Fuge bohren kann, umgeht die Glasur ganz.
Darf man als Mieter Fliesen anbohren?
Mehrere Amtsgerichte halten das in Bad und Küche im üblichen Umfang für vertragsgemäß. Laut AG Dortmund (26.08.2014, 425 C 2787/14) gehört das Anbohren von Fliesen im verkehrsüblichen Maß dazu. Das AG Krefeld (16.10.2025, 10 C 129/23) verlangt, Bohrlöcher nach Möglichkeit in die Fuge zu setzen, soweit Raum und Nutzung das zulassen. Das AG Paderborn (08.04.2024, 51 C 135/23) verlangt die Hinnahme nur, wenn die Fuge nicht möglich war; dort gab es zusätzlich eine individuelle Vereinbarung gegen das Anbohren. Maßgeblich ist der eigene Mietvertrag, bei Fragen hilft der Mieterverein.
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