Duschwand ohne Bohren: Wie Schulte das Wandprofil klebt statt schraubt, was dabei fehlt und wann Vorhang oder Stange die ehrlichere Lösung ist

Die Badewanne hat nur einen Duschvorhang, der bei jedem Duschen an den Beinen klebt, und eine Glaswand wäre die Lösung. Für die Montage müssten aber mehrere Löcher in die Fliesen, in einer Wohnung, die einem nicht gehört. Duschwände „ohne Bohren“ gibt es, und es lohnt sich zu lesen, was genau der Hersteller damit meint.

Alle Werte laut Hersteller, abgerufen am 27.10.2026. Keine Eigenmessung, kein Test. Die Rechtslage steht im Kasten mit Quelle und Datum; sie ersetzt keine Rechtsberatung.

Ohne Bohren heißt: Das Wandprofil wird geklebt, nicht die Glasscheibe

Eine Duschwand oder ein Badewannenaufsatz (Faltwand auf dem Wannenrand) hängt an einem senkrechten Wandanschlussprofil. Normalerweise wird dieses Profil an die Wand geschraubt. Bei Schulte gibt es dafür eine Alternative: das „Einfach-Kleben-System“, ein Zweikomponentenkleber mit der Bezeichnung K600. Laut Schulte rührt man die beiden Komponenten zu einer grauen Masse an, trägt sie auf das Wandanschlussprofil auf und drückt das Profil an die Wand. Nach etwa 5 Stunden ist der Kleber laut Schulte ausgehärtet, erst dann wird die Faltwand am Profil montiert.

Im Set sind laut Schulte der Kleber, ein Spachtel und eine gedruckte Montageanleitung. Schulte nennt es „die Alternative zum Bohrloch“ und gibt es für „(fast) alle Varianten“ seiner Badewannenaufsätze an, außerdem als Ersatzkleber für Schulte-Duschwände mit Klebemontage. Auf der Schulte-Seite lassen sich Badewannenaufsätze nach „Klebemontage möglich“ filtern.

Ein Badewannenaufsatz zum Kleben wiegt 17 kg und braucht zwei Personen

Als Beispiel habe ich den dreiteiligen, vollgerahmten Schulte-Badewannenaufsatz zum Kleben ausgewertet (D1510 01 01):

Angabe Laut Schulte
Breite (Einbausituation) 1268 mm, Toleranz ± 2 mm
Höhe 1400 mm
Wandanschlussprofil 12 mm breit
Glas 3 mm, „Softline hell (Kunstglas)“, in der Beschreibung „Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG)“
Gewicht 17 kg brutto
Montage wahlweise geklebt oder gebohrt; Klebesystem nicht im Lieferumfang
Untergrund massive Wände und Decken, sonst stabile Unterkonstruktion

Was die Tabellenwerte bedeuten

Das Bruttogewicht schließt die Verpackung ein; was am Profil hängt, nennt Schulte nicht getrennt. Bei der Glasangabe widerspricht sich die Seite: Kunstglas und Einscheiben-Sicherheitsglas sind verschiedene Werkstoffe. Vor dem Kauf ist das eine Frage an den Hersteller, denn im Bad entscheidet das Material darüber, wie die Scheibe bricht.

Was Schulte nicht sagt: Untergrund für den Kleber und das Ablösen

Auf der Seite des Klebesystems nennt Schulte keine Untergründe, also weder Fliese noch Putz, und keine Angabe dazu, wie sich das Profil beim Auszug wieder lösen lässt. Für die Montage des Aufsatzes verlangt Schulte eine Abdichtung nach DIN 18534, Montage zu zweit sowie Handschuhe, Schutzbrille und Sicherheitsschuhe. Zum Kleber verweist Schulte auf das Sicherheitsdatenblatt.

Geklebt hängt das Profil an der Fliese, geschraubt im Mauerwerk dahinter. Wie dieser Aufbau aussieht und was beim Bohren zählt, zeigt der Steckbrief:

Fliese auf Mauerwerk

So erkennt man sie

  • Glatte, glasierte Oberfläche, auf der der Bohrer leicht abrutscht (fischer)
  • Den Untergrund hinter der Fliese per Probebohrung bestimmen, möglichst in einer Fuge (fischer)
  • Aufbau aus Fliese, Fliesenkleber und ggf. Verbundabdichtung (fischer DuoSeal)
Bohren
ohne Schlag, nur drehend — Schlag zerstört die Stege bzw. weitet das Loch
Bohrer
Fliesen- oder Steinbohrer (TOX), für den DuoSeal Diamant- oder Fliesenbohrer (fischer); Kreppband auf die Bohrstelle, ohne Schlag, langsame Drehzahl, wenig Druck, rechtwinklig (fischer, TOX).
Typisch
Badezimmer, das laut fischer in der Regel gefliest ist; Küchen und Nassbereiche
Dübel laut Hersteller geeignet
fischer DuoSeal

Nichttragende Schichten wie Putz oder Wandverkleidungen dürfen laut TOX nicht als Verankerungsgrund dienen und sind bei der Dübellänge zu berücksichtigen; Würth: Putz und Dämmung zählen nicht als tragfähig. Fliese und Kleber gehören zu diesen Schichten (fischer DuoSeal rechnet mit dem Fliesengesamtaufbau). Nach der Fliese richtet sich das Bohrverfahren nach dem Mauerwerk dahinter (z. B. Lochziegel ohne Schlag). Die Gruppe „voll“ dient hier nur der Sortierung, maßgeblich ist der Untergrund hinter der Fliese. Für Nassbereiche gibt es abdichtende Dübel (fischer DuoSeal). Weitere Belege: TOX Dübelratgeber (https://www.tox.de/duebelratgeber), fischer DuoSeal (https://www.fischer.de/de-de/produkte/standardbefestigungen/kunststoffduebel/duoseal/duoseal-mit-schraube-a2-2-komponenten-abdichtender-duebel).

Quelle: fischer Stories: Befestigungen im Badezimmer, geprüft am 19.10.2026

Gebohrt wird in der Mietwohnung im verkehrsüblichen Maß

Laut Amtsgericht Dortmund (425 C 2787/14) gehört das Anbohren von Fliesen besonders in Bad und Küche zum vertragsgemäßen Gebrauch, die Grenze ist das verkehrsübliche Maß. Das Amtsgericht Krefeld (10 C 129/23) schreibt, dass sich Armaturen im Bad nicht immer an der Fuge ausrichten lassen. Eine Duschwand nennt keines der Urteile ausdrücklich. Ob ein individuell ausgehandeltes Bohrverbot im Mietvertrag steht, ist die erste Frage.

Bohren in der Mietwohnung: Dübellöcher, Fliesen, Klauseln im Mietvertrag · geprüft am 19.10.2026

  • Gebrauchsgewährung durch den Vermieter — Der Vermieter muss dem Mieter die Wohnung während der Mietzeit zum Gebrauch überlassen und sie in einem Zustand halten, der für den vertragsgemäßen Gebrauch geeignet ist (§ 535 Abs. 1 BGB). gesetze-im-internet.de
  • vertragsgemäßer Gebrauch = keine Haftung — Veränderungen oder Verschlechterungen der Mietsache, die durch den vertragsgemäßen Gebrauch entstehen, hat der Mieter nicht zu vertreten (§ 538 BGB). Ob ein Dübelloch dazugehört, hängt deshalb davon ab, ob es noch zum vertragsgemäßen Gebrauch zählt. gesetze-im-internet.de
  • BGH 20.01.1993 – VIII ZR 10/92 — Der Bundesgerichtshof hat mit Urteil vom 20.01.1993 (VIII ZR 10/92, veröffentlicht in NJW 1993, 1061) über Formularklauseln eines Mustermietvertrags entschieden, darunter eine Klausel zu Dübelbohrungen. gilt seit 20.01.1993 · dejure.org
  • Fliesen anbohren im verkehrsüblichen Maß — Laut Amtsgericht Dortmund (Urteil vom 26.08.2014, 425 C 2787/14) gehört es unter Berufung auf den BGH (NJW 1993, 1061) zum vertragsgemäßen Gebrauch, Dübel zu setzen und Fliesen besonders in Bad und Küche anzubohren; die Grenze ist das verkehrsübliche Maß. Als übliche Ausstattung nennt das Gericht Spiegel, Konsole, Handtuchhalter und Seifenschale. gilt seit 26.08.2014 · nrwe.justiz.nrw.de
  • Fuge, soweit möglich — Laut Amtsgericht Krefeld (Urteil vom 16.10.2025, 10 C 129/23) ist das Durchbohren von Wandfliesen nicht grundsätzlich vertragswidrig. Bohrlöcher sollen nach Möglichkeit in die Fuge, aber nur, soweit Raum und Nutzung das zulassen; Armaturen im Bad und Hängeschränke in der Küche lassen sich nicht immer an der Fuge ausrichten. gilt seit 16.10.2025 · nrwe.justiz.nrw.de
  • Fliese statt Fuge = vertragswidrig (Einzelfall) — Laut Amtsgericht Paderborn (Urteil vom 08.04.2024, 51 C 135/23) muss der Vermieter durchbohrte Wandfliesen nur hinnehmen, wenn das Bohrloch nicht in der Fuge hätte sitzen können. Im entschiedenen Fall untersagte außerdem eine individuell ausgehandelte Vereinbarung im Mietvertrag das Anbohren der Fliesen in Küche und Bad; der Mieter musste je Fliese den vereinbarten Pauschalbetrag von 25 € zahlen. gilt seit 08.04.2024 · nrwe.justiz.nrw.de
  • Arbeitsplatte befestigen = gewöhnlicher Gebrauch — Laut Amtsgericht Rheinbach (Urteil vom 07.04.2005, 3 C 199/04) gehört das Befestigen einer Küchenarbeitsplatte zum gewöhnlichen Mietgebrauch nach § 538 BGB; im Fall saßen die Befestigungslöcher in den Fugen. gilt seit 07.04.2005 · nrwe.justiz.nrw.de
  • 126 Dübellöcher = ungewöhnlich viel — Laut Landgericht Wuppertal (Urteil vom 16.07.2020, 9 S 18/20) gehört es zum vertragsgemäßen Gebrauch einer Wohnung, Befestigungen mit Dübeln vorzunehmen; rund 126 Dübellöcher bezeichnete das Gericht als ungewöhnlich viel. gilt seit 16.07.2020 · nrwe.justiz.nrw.de
  • AGB-Inhaltskontrolle § 307 BGB — Klauseln in vorformulierten Mietverträgen (Allgemeine Geschäftsbedingungen) sind unwirksam, wenn sie den Mieter entgegen Treu und Glauben unangemessen benachteiligen (§ 307 BGB). Für individuell ausgehandelte Vereinbarungen gilt diese Inhaltskontrolle nicht; deshalb kommt es darauf an, wie eine Bohr-Regel im Mietvertrag zustande gekommen ist. gesetze-im-internet.de

Fallstricke

  • Kleber nicht dabei: Beim ausgewerteten Aufsatz ist das Klebesystem laut Schulte nicht im Lieferumfang.
  • Nicht jedes Modell: Schulte filtert nach „Klebemontage möglich“; ein Aufsatz ohne diesen Eintrag ist nicht zum Kleben vorgesehen.
  • Zu früh montiert: Die Faltwand kommt erst nach dem Aushärten ans Profil, laut Schulte nach etwa 5 Stunden.
  • Dichtung vergessen: Kleben ersetzt nicht die Abdichtung nach DIN 18534, die Schulte verlangt.
  • Leichtbauwand: Schulte nennt massive Wände; bei Gipskarton braucht es laut Schulte eine stabile Unterkonstruktion.

Was praktisch hilft

  1. Wannenmaß und Einbausituation messen und mit der Herstellerangabe samt Toleranz vergleichen.
  2. Beim Hersteller prüfen, ob das Modell „Klebemontage möglich“ hat, und das Klebesystem mitbestellen.
  3. Glasart klären, wenn die Seite zwei verschiedene Angaben macht.
  4. Zu zweit montieren, Profil nach Anleitung kleben, Aushärtezeit einhalten, dann Faltwand und Abdichtung.
  5. Vor dem Auszug beim Hersteller nachfragen, wie das Profil gelöst wird, und das schriftlich aufheben.

Was ich noch nicht weiß

  • Auf welchen Untergründen Schulte den Kleber K600 freigibt und ob er auf Fliesenglasur geprüft ist.
  • Wie sich ein geklebtes Profil beim Auszug entfernen lässt und was an der Fliese bleibt.
  • Für Klemm-Duschwände und Duschwand-Stabilisatoren ohne Bohren habe ich keine Herstellerseite mit Montage- und Lastangaben ausgewertet.

Häufige Fragen

Kann man eine Duschwand ohne Bohren montieren?

Bei einigen Modellen ja, indem das Wandanschlussprofil geklebt statt geschraubt wird. Schulte bietet dafür das „Einfach-Kleben-System“ mit dem Zweikomponentenkleber K600 an: anrühren, auf das Profil auftragen, an die Wand drücken, laut Schulte etwa 5 Stunden aushärten lassen, dann die Faltwand montieren. Das gilt laut Schulte für fast alle Badewannenaufsätze und als Ersatzkleber für Schulte-Duschwände mit Klebemontage. Auf der Herstellerseite steht je Modell, ob Klebemontage möglich ist. Schulte verlangt trotzdem eine massive Wand, Montage zu zweit und eine Abdichtung nach DIN 18534. Welche Untergründe der Kleber verträgt, nennt Schulte auf der Seite nicht.

Hält eine geklebte Duschwand auf Fliesen?

Einen Lastwert für den geklebten Zustand nennt Schulte nicht, und auch keine Liste der Untergründe für den Kleber. Bekannt ist nur, dass der ausgewertete Badewannenaufsatz 17 kg brutto wiegt und für massive Wände und Decken bestimmt ist. Ein geklebtes Profil hängt an der Fliesenoberfläche und damit daran, wie fest die Fliese mit der Wand verbunden ist; dazu gibt Schulte keine Angabe. Wer unsicher ist, fragt den Hersteller vor dem Kauf, ob das Klebesystem für glasierte Fliesen freigegeben ist. Ohne diese Angabe bleibt es eine Herstellerzusage ohne Zahl.

Wie lange muss der Kleber einer Duschwand aushärten?

Für das Schulte-Klebesystem K600 nennt Schulte etwa 5 Stunden. Erst danach wird die Faltwand am geklebten Profil montiert und die Abdichtung gemacht. Die gedruckte Montageanleitung im Set ist die verbindliche Quelle; steht dort eine längere Zeit, gilt die längere. Andere Hersteller habe ich dazu nicht ausgewertet. Bis dahin bleibt die Wanne als Dusche ungenutzt. Zum Kleber selbst verweist Schulte auf das Sicherheitsdatenblatt.

Darf ich als Mieter für eine Duschwand bohren?

Das ist keine Rechtsberatung. Laut Amtsgericht Dortmund (425 C 2787/14) gehört das Anbohren von Fliesen in Bad und Küche zum vertragsgemäßen Gebrauch, im verkehrsüblichen Maß. Das Amtsgericht Krefeld (10 C 129/23) hält Bohrungen durch Wandfliesen nicht grundsätzlich für vertragswidrig, verlangt aber die Fuge, soweit Raum und Nutzung das zulassen. Beim Amtsgericht Paderborn (51 C 135/23) verbot eine individuell ausgehandelte Vereinbarung das Anbohren; der Mieter zahlte 25 € je Fliese. Eine Duschwand nennt keines dieser Urteile ausdrücklich. Im Mietvertrag nachsehen und im Zweifel den Vermieter vorher fragen.

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Pin-Tabelle: Schulte-Aufsatz zum Kleben – 1268 mm breit, 1400 mm hoch, 17 kg brutto, Kleber separat, Montage zu zweit, massive Wand.
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Bianca betreibt toolrevier.de allein. Sie vergleicht Angaben von Herstellern, Akku-Allianzen und Dübel-Datenblättern sowie Gesetze und Urteile zum Bohren in der Mietwohnung — Geräte testet sie nicht selbst.